Das Wichtigste in Kürze
- Ein gutes Museumsshop-Sortiment verlängert den Besuch: Jeder Artikel sollte auf ein Exponat, ein Thema oder das Haus selbst verweisen.
- Mitmach-Produkte wie Bastelsets oder Malen-nach-Zahlen sprechen Familien an und haben einen höheren wahrgenommenen Wert als reine Deko.
- Gemeinfreie Werke sind eine naheliegende Motivquelle, die Rechte an der verwendeten Abbildung müssen aber trotzdem geklärt sein.
- Bauen Sie das Sortiment in Preisstufen auf und testen Sie neue Artikel in kleiner Stückzahl, bevor Sie größere Mengen einkaufen.
Inhalt dieses Artikels
Was ein gutes Museumsshop-Sortiment ausmacht
Besucherinnen und Besucher kommen nicht zum Einkaufen ins Museum. Sie kaufen, weil sie etwas vom Besuch festhalten wollen: ein Bild, das sie berührt hat, ein Thema, das sie weiterverfolgen möchten, oder ein Geschenk für jemanden, der nicht dabei war. Ein Sortiment, das diesen Wunsch bedient, verkauft sich fast von selbst. Ein Sortiment aus austauschbarer Geschenkware dagegen konkurriert mit jedem Kaufhaus.
Drei Fragen helfen bei jeder Sortimentsentscheidung:
- Bezug: Verweist der Artikel auf ein Exponat, eine Ausstellung, das Gebäude oder die Region?
- Zielgruppe: Für wen ist er gedacht, etwa Familien mit Kindern, Kunstinteressierte, Schulklassen oder Touristinnen und Touristen?
- Preisstufe: Füllt er eine Lücke zwischen dem kleinen Mitbringsel an der Kasse und dem hochwertigen Geschenk?
Ein ausgewogenes Sortiment deckt alle Zielgruppen Ihres Hauses ab und bietet in jeder Preisstufe mindestens einen Artikel mit klarem Sammlungsbezug. Wo dieser Bezug fehlt, lohnt sich ein Blick auf neue Produktideen.
Produktideen für den Museumsshop mit Bezug zu Exponaten
Die folgenden Ideen sind nach Zielgruppe sortiert. Nicht jede passt zu jedem Haus: Ein Naturkundemuseum braucht andere Artikel als eine Gemäldegalerie oder ein Technikmuseum. Entscheidend ist, dass Sie die Idee mit Motiven oder Inhalten aus Ihrer eigenen Sammlung füllen.
| Produktidee | Zielgruppe | Bezug zur Sammlung |
|---|---|---|
| Postkarten und Kunstdrucke | Alle Besucher | Abbildung eines Exponats oder Gebäudes |
| Ausstellungskatalog, Begleitheft | Kunst- und Themeninteressierte | Vertieft die aktuelle Ausstellung |
| Ausmalheft, Rätselheft | Kinder, Schulklassen | Figuren oder Objekte aus der Sammlung |
| Bastel- und Experimentiersets | Familien | Thema eines Ausstellungsbereichs |
| Malen-nach-Zahlen-Kit | Familien, Kreative, Geschenkkäufer | Gemälde oder Exponat zum Selbermalen |
| Puzzle | Familien, Erwachsene | Bekanntes Werk oder Gebäudeansicht |
| Textilien, Taschen | Alle Besucher | Logo, Detail eines Werks, Zitat |
| Regionale Produkte | Touristen | Bezug zur Stadt oder Region des Hauses |
Gerade die Artikel in der Mitte der Tabelle werden in vielen Shops unterschätzt. Postkarten und Kataloge sind selbstverständlich, doch Produkte, mit denen man zu Hause etwas tut, schließen eine Lücke: Sie sprechen Familien an, sie eignen sich als Geschenk und sie lassen sich über den Preis eines Kunstdrucks hinaus verkaufen.
Mitmach-Produkte: warum Besucher lieber selbst etwas tun
Museen setzen in der Vermittlung oft auf Mitmachen: Werkstätten, Workshops, Entdeckerbögen. Im Shop fehlt dieser Gedanke oft. Dabei passt er gut zu dem, was ein Museum leisten will. Wer ein Gemälde zu Hause nachmalt, schaut sich Farben, Formen und Details genauer an als beim Vorbeigehen.
Mitmach-Produkte haben zudem einen praktischen Vorteil für den Shop: Ihr Wert liegt nicht nur im Gegenstand, sondern in der Beschäftigung, die er verspricht. Das macht einen höheren Verkaufspreis plausibel als bei einem Druck in vergleichbarer Größe.
- Verlängern den Besuch: Das Thema der Ausstellung begleitet die Familie noch mehrere Abende.
- Sprechen mehrere Generationen an: Kinder und Erwachsene können gemeinsam daran arbeiten.
- Eignen sich als Geschenk: Ein Set mit Anleitung ist ein vollständiges Geschenk, keine Kleinigkeit.
- Passen zum Bildungsauftrag: Aktives Tun statt passivem Mitnehmen.
Gemeinfreie Werke als Motiv für Shopartikel
Für Kunst- und Geschichtsmuseen liegt die naheliegendste Motivquelle in der eigenen Sammlung. Viele ältere Werke sind gemeinfrei: Nach § 64 UrhG erlischt das Urheberrecht 70 Jahre nach dem Tod der Urheberin oder des Urhebers. Danach darf das Werk selbst grundsätzlich frei verwendet werden, auch für Produkte, die Sie verkaufen.
Gemeinfrei heißt aber nicht automatisch, dass jede Abbildung des Werks frei nutzbar ist. Prüfen Sie deshalb immer auch die Vorlage, die Sie verwenden wollen:
- Lebensdaten prüfen: Ist das Todesjahr bekannt und lange genug her? Bei unbekannten oder jüngeren Urhebern ist Vorsicht geboten.
- Herkunft der Abbildung klären: Stammt das Foto aus Ihrem eigenen Haus oder von einem externen Fotografen oder Bildarchiv? Dann gelten dessen Nutzungsbedingungen.
- Leihgaben beachten: Für Werke, die Ihnen nicht gehören, sind Absprachen mit dem Leihgeber sinnvoll, auch wenn das Werk gemeinfrei ist.
- Moderne Werke separat behandeln: Bei geschützten Werken brauchen Sie eine Lizenz von den Rechteinhabern oder der zuständigen Verwertungsgesellschaft.
Ein Exponat als Malen-nach-Zahlen-Kit
Ein Malen-nach-Zahlen-Kit mit einem Werk aus Ihrer Sammlung verbindet die Punkte von oben: Es hat einen klaren Bezug zum Exponat, es ist ein Mitmach-Produkt und es eignet sich als Geschenk. Das Motiv legen Sie fest, ob Gemälde, Objekt, Gebäudeansicht oder ein Tier aus einer naturkundlichen Sammlung.
| Bestandteil | Details |
|---|---|
| Leinwand | 40 × 50 cm mit Ihrem Motiv |
| Farben und Pinsel | bis zu 36 Acrylfarben nach EN 71-3, 3 Pinsel |
| Optional | Vorgespannt auf Keilrahmen, Geschenkbox |
| Bildrechte | Bildrechte-Check inklusive, auf Wunsch Erstellung lizenzfreier Motive |
| Extras | Story-QR-Code auf der Verpackung inklusive, Thekenaufsteller und saisonale Motive auf Wunsch |
| Mindestmenge | Keine, ab 1 Stück, Nachbestellung jederzeit |
Der Story-QR-Code passt besonders gut zu einem Museum: Er kann auf eine Seite mit Informationen zum Werk, zur Künstlerin oder zum Künstler oder auf Ihre digitale Sammlung führen. So bleibt der Vermittlungsgedanke auch zu Hause erhalten.
Ein Rechenbeispiel zeigt, was bei einem Kit mit Keilrahmen und einem Verkaufspreis von 29,95 € brutto pro Stück übrig bleibt. Den Verkaufspreis legen Sie selbst fest.
| Stückzahl | 50 Stück |
|---|---|
| Endkundenpreis brutto | 29,95 € |
| Endkundenpreis netto | 25,17 € |
| Einkaufspreis netto (mit Keilrahmen) | 12,95 € |
| Marge pro Stück | 12,22 € |
| Marge in % | 49 % |
| Marge gesamt | 610,90 € |
Rechenbeispiel. Netto-Beträge, Endkundenpreis inkl. 19 % MwSt. umgerechnet, zzgl. Versand. Gerechnet mit dem Grundpreis ohne Staffelrabatt.
Wie Sie einen passenden Verkaufspreis finden, erklärt der Ratgeber Verkaufspreis im Souvenirshop kalkulieren. Weitere Motivbeispiele für Häuser mit Sammlung finden Sie auf der Seite Malen nach Zahlen Museum.
Museumsshop-Sortiment schrittweise aufbauen
Ein neues Sortiment entsteht selten auf einen Schlag. Gerade kleinere Häuser mit begrenzter Fläche und begrenztem Budget fahren gut damit, neue Artikel nacheinander einzuführen und aus dem Abverkauf zu lernen.
Bestand sichten
Welche Artikel verkaufen sich, welche liegen seit Monaten? Welche haben keinen Bezug zu Ihrem Haus?
Lücken benennen
Fehlt ein Artikel für Familien, ein Geschenk in mittlerer Preislage oder ein Bezug zur aktuellen Ausstellung?
Motive auswählen
Wählen Sie zwei oder drei Exponate, die Besucher besonders ansprechen, und klären Sie die Rechte.
Klein starten
Bestellen Sie neue Artikel zunächst in einer Menge, die Sie sicher abverkaufen. Ohne Mindestmenge geht das ohne Restbestand.
Auswerten und nachbestellen
Was läuft, wird nachbestellt. Was nicht läuft, wird durch ein anderes Motiv ersetzt.
Präsentation im Shop
- Shopartikel mit Bezug zur Sammlung gut sichtbar und nicht im hinteren Regal platzieren.
- Bei Mitmach-Produkten ein fertiges Beispiel zeigen.
- Auf das Original verweisen, etwa mit einem kleinen Schild „Dieses Werk sehen Sie in Raum 3“.
- Sonderausstellungen mit einem eigenen Artikel begleiten.
- Das Kassenteam kurz in die neuen Artikel einweisen.
Wie Sie Mengen planen, wenn keine Mindestabnahme vorgegeben ist, lesen Sie im Ratgeber Souvenirs ohne Mindestmenge. Grundsätzliches zur Frage, welche Artikel Marge bringen, finden Sie unter Souvenirs mit hoher Marge.
Häufige Fragen
Was verkauft sich gut in einem Museumsshop?
Gut verkaufen sich Artikel, die einen erkennbaren Bezug zu Ihrer Sammlung oder Ausstellung haben, etwa Drucke bekannter Werke, Kataloge oder Mitmach-Produkte mit einem Exponat als Motiv. Austauschbare Geschenkware steht dagegen im Wettbewerb mit jedem anderen Laden.
Darf ein Museum gemeinfreie Gemälde auf Produkte drucken?
Gemeinfreie Werke dürfen grundsätzlich frei verwendet werden, das Urheberrecht erlischt nach § 64 UrhG 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Zusätzlich sollten Sie prüfen, woher die verwendete Abbildung stammt und ob dafür Nutzungsbedingungen gelten. Im Zweifel lassen Sie den Einzelfall rechtlich prüfen.
Welche Produkte eignen sich für Kinder im Museumsshop?
Für Kinder eignen sich Artikel, mit denen sie etwas tun können: Ausmalhefte, Bastel- und Experimentiersets oder ein Malen-nach-Zahlen-Kit mit einem Motiv aus der Sammlung. So wird das Gesehene zu Hause noch einmal aufgegriffen.
Wie kann ein kleines Museum neue Shopartikel ohne großes Risiko testen?
Wählen Sie Artikel ohne Mindestmenge und bestellen Sie zunächst eine kleine Stückzahl. Beobachten Sie den Abverkauf einige Wochen lang und bestellen Sie nur das nach, was sich bewährt.